Buch über Europas essbare Wildpflanzen

Essbare Wildpflanzen, Buchtitel von E.-M. Dreyer - Verlag
Essbare Wildpflanzen, Buchtitel von E.-M. Dreyer - Verlag
Beeren, Früchte und Pflanzen, die bei uns wachsen und die man essen kann, stellt die Botanikerin Eva-Maria Dreyer in diesem Buch vor.

Regulierungswütige europäische Politiker biegen Gurken gerade. Tomaten wachsen normiert in Treibhäusern. Angesichts europäischer Landschaften, die zu Agrarfabriken mutiert sind, haben Städter vergessen: Die Nahrung wächst eigentlich in der freien Natur.

Das Buch hat Format. 27 × 20 Zentimeter misst es, umfasst mehr als 400 Seiten und wiegt fast zwei Kilogramm. Über 1500 Arten von in Europa wild wachsenden Pflanzen werden darin vorgestellt. Im Grunde ist jede Wildpflanze, die nicht gerade giftig ist, essbar. Leser und Leserinnen werden über den Unterschied aufgeklärt und vor ungenießbaren und giftigen Pflanzen gewarnt.

Botanik der Wildpflanzen

Das einleitende Kapitel kündigt an, Altes neu zu entdecken, nämlich die Küchenkunst mit Wildpflanzen: Beeren, Wurzeln und Blätter essen, Tees brühen oder Nüsse sammeln. Europäische Kräuter und Gewürze sind fast in Vergessenheit geraten. Dabei wachsen manche davon direkt vor der Haustür. Das Kapitel bringt die wichtigsten botanischen Grundbegriffe (Stängel, Blätter, Blüte, Früchte, Wurzeln). Tipps zum Sammeln von Wildpflanzen werden gegeben. Auf Giftpflanzen wird hingewiesen, die man ebenso wenig sammeln sollte wie geschützte Pflanzen. Ein paar botanische Wildpflanzen kann man sogar im Garten anbauen, auch wenn sie dann so wild nicht mehr sind. Nadel- und Laubwälder, Hecken, Wiesen und Fluren, Feuchtgebiete und mediterrane Macchia werden als Lebensräume vorgestellt.

Rezepte mit Wildpflanzen

Das Buch ist kein Kochbuch über Wildpflanzen. Dennoch werden einige Rezepte präsentiert, hier ein paar Kostproben:

  • Suppe mit Sauerampfer
  • Kartoffelsuppe mit Beinwell
  • Salat mit Spitzwegerich
  • Pastinaken-Püree
  • Spiegelei mit Hopfensprossen
  • Weißdorn-Früchtebrot
  • Zwiebelkuchen mit Hagebutten
  • Mispeln Rotwein

Angesichts der Fülle der vorgestellten Pflanzenarten sind die Rezepte in der Minderheit.

Essbare Wildpflanzen in lexikalischer Übersicht

Nach ein paar Rezepten folgt eine lexikalische Auflistung von mehr als 1.500 Pflanzenarten. Über 700 Fotografien illustrieren diesen Teil. Der Text zu jeder Pflanzenart enthält eine Überschrift mit dem umgangssprachlichen Namen und den latinisierten Namen, wie sie in der botanischen Wissenschaft üblich sind. Dann folgen Angaben zum Sammeln und Zubereiten, Merkmale der Pflanzenart und Informationen zu Standort und Verbreitung. Eingestreut sind Zubereitungsideen, die kreative Köche und solche, die es werden wollen, anregen können, eigene Rezepte zu entwickeln. Das Spektrum reicht vom Adlerfarn-Lebkuchen über Pfeifenstrauch-Blütensirup bis zu Ziestknollen-Gratin. Für andere Arten wie Wasserlinsen oder Affodil muss der Leser selbst Zubereitungs-und Verzehrideen entwickeln.

Giftpflanzen von genießbaren Pflanzen unterscheiden lernen

Im abschließenden Kapitel werden Giftpflanzen vom Acker-Gauchheil über Polei-Minze und Rauschbeere bis zur Zaunrübe vorgestellt, was schon hinsichtlich von Produkthaftungsgesetzten sinnvoll erscheint. Eine Seite mit Adressen von Schaugärten, Gärtnereien, Internetquellen und Giftnotrufzentralen, sowie ein Literaturverzeichnis und ein Register ergänzen das Buch.

Zusammengefasst ein lehrreiches Buch weniger zum Mitnehmen vor Ort, sondern zum Studium in der kalten Jahreszeit, um zur Sammelsaison schlauer zu sein und danach hoffentlich satt.

Eva-Maria Dreyer: Essbare Wildpflanzen Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co 2010. Hardcover. 407 Seiten über 700 Fotos. Euro 49,90

Gerhard Ott, Annegret Ott

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